Während es selbst dem tschechischen Staat mitten in der EU-Präsidentschaft etwas an Enthusiasmus für die europäischen Angelegenheiten fehlt, zeigen sich die Studenten wenig gewillt, in einem anderen europäischen Land zu studieren.
Bei tschechischen Studenten steht europäische Mobilität nicht im Vordergrund
Tschechische Studenten reisen... in tschechischen Zügen/ ©LuKas Chadraba/flickr
REPORTAGE
Übersetzung: Daniela Berger-Riede
05/05/09
Tags : Prag, Sprachen, Universität, Tschechische Republik, Erasmus.
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Ihre Beweggründe sind verschieden, genau wie ihre Vorstellungen von Europa. Einige glauben an die Europäische Union, andere sind demgegenüber ausgesprochen reserviert eingestellt. Aber die Studenten der exzellenten Karls-Universität Prag teilen eines: eine gewisse Ängstlichkeit, was eventuelle Studien im Ausland betrifft. Wie die Nationale Agentur für europäische Bildungsprogramme mitteilt, haben im akademischen Jahr 2005/06 lediglich 4725 Studenten am Erasmusprogramm teilgenommen. Und obgleich die Zahlen von Jahr zu Jahr steigen und die Professoren ihre Studenten oft ermutigen, ins Ausland zu gehen, scheinen diese auf diesem Ohr nicht zu hören. Erstaunlich für ein Land, das mitten im Herzen Europas liegt und in dem die Studenten fast alle mehrsprachig sind.
Pavel, ein Jurastudent, nennt sich zutiefst pro-europäisch, sagt jedoch, er habe „noch nicht die Gelegenheit gehabt, in einem anderen Land zu studieren. Aber ich spreche Englisch, Deutsch und Russisch. Ich bin nicht sicher, ob es sehr von Nutzen wäre, ins Ausland zu gehen…“. Manchmal sind es aber auch die Verluste zu Hause, die ein Erasmusstudium im Ausland unmöglich machen. Michal, Student im ersten Studienjahr, würde gern im Ausland studieren. Aber die Tatsache, ein oder zwei Semester zu fehlen, würde ihn seine Arbeit, eine essentielle Grundlage, kosten.
Qualität bitte!
In Prag gibt es für Architekten genügend Zeichenmaterial | ©ZeHawk/flickrDie Unkenntnis der Austauschprogramme scheint ebenfalls einer der Gründe für die mangelnde Flexibilität zu sein. Obwohl die Zeitung der Journalismusstudenten namens Babylon für die europäischen Programme wirbt, glaubt Dana, eine junge Journalismusstudentin, dass man „mit Erasmus nur in Großbritannien, vielleicht in Frankreich studieren kann“. Ihre Freundin Katerina lehnt jeden Gedanken ab, die Tschechische Republik zu verlassen: „Ich habe Angst, mein Land zu verlassen, ich mag keine fremden Orte und Menschen.“
Livia ihrerseits, dreißig Jahre alt und im vierten Studienjahr Jura, hat niemals in Erwägung gezogen, im Ausland zu studieren. „Vielleicht bin ich zu alt. Außerdem habe ich einen Hund.“. Sie kann nicht unbedingt sagen, dass Europa für sie wichtig sei, selbst wenn sie es wichtig findet, die anderen Kulturen kennen zu lernen. Und wenn man den Wunsch verspüren sollte, ins Ausland zu gehen, schaue man alsbald auf die Qualität der Gastuniversität. Für Michal „ist nicht das Land wichtig, sondern die Tradition der Gastuniversität, die zählt, um dort zu studieren.“ Er hat ein Buch über den Journalismus in Australien gelesen, und er denkt, dass der Journalismus dort sehr gut vermittelt wird, „also warum nicht dort“, sagt er sich. Einer seiner Kameraden, Jan, würde gern einen Auslandsaufenthalt an sein Studium anknüpfen, „aber das hängt von der Einrichtung ab, an die ich gehen könnte, die Qualität müsste stimmen und mindestens so gut sein wie an der Karls-Universität.“
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