Der Schutz der Gesundheit hat Priorität in der EU’, lautete wohl das Motto der Kommission, als sie Tests für alle Lebensmittel anmeldete, die Spuren von Soja, Milch, Eiern und Backpulver enthalten. Darunter fallen quasi alle Süßwaren, die man in chinesischen Lebensmittelläden in ganz Europa finden kann.

Die Sanktionen sind Balsam in den Ohren beunruhigter Verbraucher, Politiker und europäischer Bauern. Doch während die EU-Kommissare die Moralapostel in Bezug auf Importe aus dem Ausland spielen, bemerkten sie gar nicht, dass auch der Kaffe, den sie seit Januar täglich in der Kommission tranken, viel zu hohe Nickel- und Bleiwerte aufwies.

Günter Verheugen: Über Geschmack lässt sich nicht immer streitenGünter Verheugen: Über Geschmack lässt sich nicht immer streiten | ©World Economic Forum/flickrEin österreichischer Angestellter, der im Berlaymont-Gebäude, dem Kommissionshauptsitz in Brüssel, arbeitet, fand, dass der hauseigene Cappuccino seltsam schmeckte, nachdem die alten Kaffeemaschinen gegen topmodische, italienische Modelle ausgetauscht worden waren. 100.000 Euro hat sich die Kommission das neue Starbucks-Feeling kosten lassen - 5000 Euro pro Maschine.

Das Echo ist nun ziemlich laut - und das nicht nur aus Gesundheitsgründen. Warum brauchten EU-Beamte eigentlich Kaffeautomaten nach dem neuesten Schrei, wenn die alten ihre Aufgabe noch erfüllten, fragte der Kommissar für Unternehmen und Industrie, Günter Verheugen, im Spiegel. Die Antwort müssen wir wohl erst im Kaffeesatz suchen - denn dieserlei Verantwortlichkeiten werden im Kommissionsgebäude gern von Abteilung zu Abteilung weitergeschoben. Aber so lange kein chinesisches Milchpulver in Brüsseler Cappuccinotassen auftaucht, gibt es ja keinen Grund zur Sorge.