Die in Paris lebende kubanische Exil-Schriftstellerin Zoé Valdès spricht über ihr Engament gegen das Castro-Regime und die Notwendigkeit, der “political correctness” ein Ende zu setzen.
Zoé Valdès: „Amerika soll sich der Welt öffnen“
Zoé Valdès, Schriftstellerin im Exil (Foto: Editions Gallimard)
INTERVIEW
Übersetzung: philippe kersting
05/06/06
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Die politisch engagierte Schriftstellerin Zoé Valdès wurde in Havanna im Jahr der Machtübernahme Fidel Castros auf Kuba geboren. In ihrem ersten, 1995 veröffentlichten Roman „Das tägliche Nichts“ prangert sie die Misswirtschaft des Regimes und die Unterdrückung der Inselbewohner an. Seitdem wird sie vom kubanischen Regime als „persona non grata“ betrachtet.
Frau Valdèz, sie haben kubanische Wurzeln, die spanische Staatsbürgerschaft und leben in Paris. Fühlen Sie sich europäisch ?
Ich bin Kubanerin, mit spanischer und seit wenigen Monaten auch französischer Staatsbürgerschaft. Wenn ich mich als Europäerin fühle, dann liegt es vor allem daran, dass in der kubanischen Mischkultur bedeutende spanische und französische Einflüsse existieren. Auch lebe ich in Frankreich und liebe die Kultur des Landes. Ich liebe seine Literatur, sein Denken, die Präzision der französischen Sprache. Das Exil ist manchmal eine Quelle der Inspiration – aber es bleibt eine Strafe, nicht ein Geschenk des Himmels. Vor allem wenn es sich um ein Zwangsexil handelt.
Seit 1995 haben sie in Kube Einreiseverbot. Wie bewerten Sie die Kuba-Politik der Europäischen Union ?
Ich denke, dass Brüssel Fidel Castro rigoros gegenübertreten sollte, weil er ein echter Tyrann ist, der immer davon kommt. Er profitiert vom Wirtschaftsembargo der Vereinigten Staaten, von der europäischen Entscheidung, die Handelsbeziehungen zu Kuba wieder aufzunehmen und vom Ende der Sanktionen. Es sollte die ausnahms- und bedingungslose Befreiung aller politischen Gefangenen gefordert werden. Dem sollte eine schnelle und friedliche Lösung des Kuba-Problems folgen, damit Castro anderen politischen Führern und einer echten Demokratie Platz lässt.
Wie sehen Sie die Zukunft des Süd-Amerikanischen Kontinents ?
Ich bin weder eine Expertin in Internationaler Politik, weder eine Astrologin. Ich weiß nur, dass ich Hugo Chávez und Evo Morales überhaupt nicht schätze. Beide sind populistische Führer, die den als Diktator anerkannten Castro unterstützen. Lateinamerika steht im Ruf des ´caudillismo´, der Korruption. Ich denke, dass Amerika, von Norden bis Süden, sich der Welt öffnen sollte. Eine Verbesserung der zwischenstaatlichen Beziehungen ist notwendig: Es wird Zeit, dass die Regierungen Amerikas aufhören sich für Kleinigkeiten zu beschimpfen oder zu bekämpfen.
Für uns Kubaner ist Europa aber auch Nord-Amerika wichtig. Meines Erachtens sollte die Europäische Union ihre Beziehung mit ganz Amerika menschlicher gestalten. Wirtschaftlich selbstverständlich, aber vor allem menschlicher. Heute noch arbeiten einige Kubaner wie Sklaven in Betrieben – meistens europäischen – für ein miserables Gehalt, das in Pesos und nicht in Euros ausgezahlt wird. Die Castro-Diktatur versklavt die Menschen und andere nutzen dies aus.
Sie engagieren sich gegen Fidel Castro. Sind politisches Engament und literarisches Schaffen immer gut vereinbar ?
Ich tue meine Meinung in der Presse kund, da ich weder in einer Partei noch in einer Anti-Castro-Organisation Mitglied bin. Mein Engament ist persönlich und wurzelt in meinem Leiden, meinem Leben, meiner Erfahrung als Kubanerin und Schriftstellerin, im Blick mit dem ich der Welt begegne und meiner Solidarität mit meinen Landsleuten.
Andere lateinamerikanische Schriftsteller haben sich ebenfalls zu bestimmten Zeitpunkten gegen Diktaturen engagiert. Gabriel García Márquez – mit dem Unterschied, dass er heute einen Diktator unterstützt – Isabel Allende oder Luis Sepúlveda. Manche europäische und nordamerikanische Schriftsteller waren oder sind gegen Krieg oder gegen alles Mögliche engagiert: Arthur Miller, Paul Auster, Susan Sontag… Die Liste ist unendlich lang. Das Engagement ist eine Sache, die Literatur eine andere. Manchmal kommen sie zusammen, manchmal nicht. Heute werden Leute, die sich gegen Georges W. Bush oder den Krieg engagieren, respektiert und bewundert. Es sind politisch korrekte Ziele. Das schwerste ist, das Kind beim Namen zu nennen. Zu sagen „genug !“ der Castro-Diktatur, „genug !“ des Terrorismus jeder Art oder „genug !“ der politischen Korrektheit.
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