Cafebabel.com schickt mit Green Europe on the ground 40 junge Journalisten und Fotografen in europäische Metropolen. Herauskommen soll eine Serie von 10 Dossiers aus 10 Städten, um innovative Initiativen für ein „grüneres“ und solidarisches Europa unter die Lupe zu nehmen und die Eurogeneration für den Kampf gegen den Klimawandel zu sensibilisieren.
Budapest: Giftig grün hinter den Ohren!?
Ungarn hat seit dem 1. Januar als Ratspräsident die Zügel der EU inne. Momentan sind alle Augen auf die Debatte um das umstrittene ungarische Knebelgesetz zur Medienkontrolle gerichtet, von grüner Politik und der größten Umweltkatastrophe nach Tschernobyl, als im Oktober 2010 eine rote Giftschlammwelle mehrere Dörfer platt machte, spricht heute kaum noch jemand. Dabei hat Ungarn gute Ansätze in der Tasche, wie beispielsweise seine jungen Fahrrad-Aktivisten, die unersättlich mit ihrer Message durch Budapest radeln. Schade ist nur, dass neue Initiativen im Namen der Umwelt eine wachsende grüne Ideologie in Marketingstrategien recyceln. Hat der rote Schlamm auch den grünen Enthusiasmus davongeschwemmt? Ein Team europäischer Nachwuchsjournalisten nahm Budapest für das Projekt "Green europe on the ground" unter die Lupe.
Jeht's noch bisscken grüner Berlin?
Europas einzige Regierungschefin war selbst einmal Umweltministerin: Hat Angela Merkel denn nichts gelernt? 2011 finden in 7 deutschen Ländern Landtagswahlen statt und ein globales Umweltthema - der Atomausstieg - ist seit dem Erdbeben in Japan wieder in aller Munde. Der Aktivismus der Stuttgarter, die am Wochenende eine Antiatom-Menschenkette bildeten, schwappt auch nach Berlin, wo kürzlich das erste grüne Referendum zur Wasserprivatisierung stattfand. Grüne Power ist in Berlin eigentlich omnipräsent, ob auf den Tellern der Bewohner oder den Dancefloors der Haupstadt. Cafebabel.com hat Berliner Guerilla-Gärtner, Veganer, grüne Clubgänger und einen australischen Wahlberliner getroffen, der ein grünes WikiLeaks lanciert hat. In einer Metropole - wo selbst die Berlinale 2011 unter einem grünen Stern stand - werden andere europäische Städte es schwer haben, den Anschluss zu finden. Geht es eigentlich grüner als in Berlin? Unsere dritte Staffel in der Reihe ‘Green Europe on the ground’ (Foto: (cc) Neromonga/flickr).
Straßburg: Ist doch öko-logisch!
Mit seinen 300 Hektar Grünfläche, über 500 km Radwegen im Umkreis und den Naturparks der Vogesen und des Schwarzwalds um die Ecke ist die elsässische Hauptstadt unumstritten das, was man in Europa ein Öko-Paradies nennen könnte. Ein Sherlock Holmes muss sich schon mit einer Lupe auf den Weg machen, um Öko-Kriminalität in Straßburg aufzudecken. Und zugegeben: das Doppelsitzproblem des EU-Parlaments ist für die Ökobilanz nicht unbedingt förderlich. Aber ansonsten sprießen neben den typischen Fachwerkhäusern immer nachhaltigere Bauten und Viertel. Grüne Kultur kann in Straßburg sogar soweit gehen, dass man sich selbst das Jawort in „öko und bio“ gibt. 5 junge europäische Journalisten haben sich im Nordosten Frankreichs umgesehen und im Rahmen der Reportagereihe 'Green Europe on the ground' grüne Samurais - wie den letzten Imker der Stadt – ausfindig gemacht.
Athen: Ich sehe was, was Du nicht siehst – und das ist grün
Wie jetzt Umweltschutz? Athen hat gerade ein paar andere Hühnchen zu rupfen. So ungefähr könnte man das Verhältnis der griechischen Hauptstadt zum Umweltschutz resümieren. Athen wartet bis heute auf eine ‚legale Müllhalde‘, momentan landen Abfälle oftmals och in der Ägäis. Und Radwege? Pustekuchen. Veilleicht auf einem Freeday am Freitagabend, wenn sich eine Athener Öko-Radkaravane in Bewegung setzt. Ansonsten kann die Stadt aufgrund der Hitze und Luftverschmutzung nur schwer aufatmen. Und Lösungen werden oft und gern auf morgen verschoben. Oder gar nicht erst angegangen, wie das Verschwinden des Flusses Kifissos zeigt. Wird die Empörung einiger Bürger und Künstler ausreichen, um die Wunder der Attika zu schützen? (Foto ©Bénédicte Salzes/benedictesalzes.com)
Rom: Das « grüne » Nichtstun
In puncto Umweltinitiativen führen nicht alle Wege direkt nach Rom. Dabei handelt es sich bei der italienischen Hauptstadt nach Oslo um die "grünste Stadt" in Europa, mit ihren zahlreichen Parks und Grünflächen. Doch das süße Nichtstun packt den Italiener auch beim Umweltschutz: Rom ist nach Mumbai weltweit die Stadt mit den meisten Scootern, weiterhin das beliebteste Transportmittel der Römer. Als Radfahrer - eine Straßburgerin hat den Test gemacht - kommt man in Rom unterdessen einem Kamikaze gleich. Doch wer sucht der findet - auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Innovative Initiativen lassen sich in Theatern und Design-Konzeptläden, in Kulturzentren an der Peripherie der Stadt oder sogar über den Dächern des Vatikans finden, von wo aus der 'grüne Papst' manchmal doppeldeutige Botschaften sendet. Oft aber findet man die Vollendung der Einfachheit in der italienischen Küche, die das Label "grün" gar nicht nötig hat. 5 Journalisten erkundeten die ewige Stadt 4 Tage lang im Rahmen unseres Projekts Green Europe on the ground.
Sevilla: Wo Lebenskünstler auf 'grün' bauen
123 Millionen Euro! So die horrende Summe, die das neueste, kurvige Architekturmonument - der im Volksmund genannte Champignon, der im April in Sevilla eingeweiht wurde - gekostet hat. Das sind 70% mehr Budget als ursprünglich geplant und das, wo die Arbeitslosigkeit in Spanien momentan Staatsfeind No. 1 ist. Das sind keine guten Aussichten für die im Mai geplanten Kommunalwahlen. Cafebabel.com hat die neuen Akteure der grünen Wirtschaft unter die Lupe genommen, um herauszufinden ob in der andalusischen Hauptstadt trotz der desaströsen Bezirksverwaltung eine ökologische Zukunft möglich ist. Das Sonnenwärmekraftwerk von Abengoa ist ein Vorzeigeprojekt für alternative Energiegewinnung, lokale Bio-Bauern retten die Landwirtschaft. Doch es bleiben einige Details zu regeln, wie zum Beispiel die Fahrradkultur, die bisher nur dem Zentrum Sevillas vorbehalten ist. Für das Projekt Green Europe on the ground durchstreiften 5 Journalisten die andalusische Hauptstadt.
Paris: Unter dem Pflaster – sprießt grün
Wo man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht… Paris ist wie ein dampfender Schnellkochtopf, der jede Sekunde zu implodieren droht. Denn die französische Hauptstadt hat europaweit die höchste Bevölkerungsdichte: In Paris quetschen sich 21 000 Menschen auf einen Quadratkilometer. Und dabei wächst die Wohnungsnachfrage stetig, während das Angebot sich die Waage hält; 14 Metrolinien quellen täglich über, Bäume am Straßenrand kann man fast an einer Hand abzählen. Kurz und gut: die Pariser wollen ein bisschen aufatmen. Deshalb hat man auch hier und da schon versucht, die Ärmel hochzukrempeln und neue Grünflächen anzulegen. Neben Community-Gärten, Stadthonig, Artenvielfalt und öffentlichen Politiken, will die Stadt zukünftig auch auf Leihautos (Autolibs), neue Vorstadtzüge und Öko-Smalltalk setzen. Cafebabel.com zeigt, dass unter den Pariser Pflastersteinen ein bisschen ‚grün‘ sprießt.
Wiens grüne Wellenlänge
Prater, Wienerwald und Lobau: Keine Frage – Wien ist grün, wo das Auge hinblickt. Die österreichische Hauptstadt besteht zu 50 Prozent aus Grünflächen und wurde von der internationalen Mercer-Studie 2010 zur lebenswertesten Stadt weltweit gekürt. Dass Wien auf einer grünen Wellenlänge schwimmt, zeigt sich nicht nur auf international ausgerichteten Events rund um die Donau wie dem Danube Day, sondern auch in den entlegensten Winkeln der Stadt: Dort wird ganz legal Hanf angebaut, auf das Auto verzichtet oder dem Wagenleben mitten in der Natur gefrönt. 5 europäische Reporter sind Wien im Rahmen des Projekts Green Europe on the ground auf den Grund gegangen.
Ljubljana in grün: Alles (Stern)schnuppe!
Werft mal einen Blick auf ein Satellitenbild bei Nacht und ihr werdet feststellen, dass der komplette Kontinent mit Ausnahme von Slowenien, das 2007 ein Gesetz zur Lichtverschmutzung eingeführt hat, erleuchtet ist. In puncto 'grün' scheint Ljubljana seine europäischen Nachbarn regelrecht zu überstrahlen. Kein Wunder, denn in nur 20 Minuten kann man in den Wäldern im Süden der Stadt schon auf (friedliche) Bärenjagd gehen. Auch wenn Slowenien nicht die gleichen Umweltprobleme wie manch andere europäische Metropole hat, so kann man doch sagen, dass 'grün' insbesondere den jungen Slowenen eher schnuppe ist. Die Politik und der lokale Aktivismus schrumpfen. Von den Straßen der Stadt in die Berge, die Ljubljana wie ein Korsett einzwängen, und in die Wälder, die sich wie Geschenkband um Ljubljana legen: Lest die 8. Staffel unseres Reportageprojekts Green Europe on the ground!
